Mal was Neues

Ich bin eine einfache Frau, mit durchschnittlichem Leben, durchschnittlichem Körpergewicht und durchschnittlichem Kleidungsstil. Mit anderen Worten: Ich bin der personifizierte Durchschnitt. Nun, ab und an überkommt jedoch auch mich der Drang aus dem Durchschnittsverein auszubrechen und es verlangt mich nach was Neuem. Dann werde ich abenteuerlustig, ja geradezu risikofreudig. Also nicht, dass sie glauben, ich veranstalte dann Meth Partys und werfe mich von fahrenden Zügen. Aber ich probier schon mal gern was aus, wage einen Schritt ins Ungewisse. Besonders stark überkommt mich dieser Drang im Sommer, wenn sich alle so eifrig verlieben oder die Wohnung neu streichen. Dann muss auch bei mir eine Veränderung her!

Und was ist leichter zu verändern als die Haare am Kopf? Also schlage ich meiner Frisörin vor, sie solle sich doch mal austoben – ja, auf meinem Kopf! All ihren kreativen Gedanken freien Lauf lassen.

Sie sieht ein bisschen drein, als hätte ich den Verstand verloren, ich glaube, das hat in ihrer 20-jährigen Laufbahn kein Kunde je zu ihr gesagt, und nuschelt was von Morddrohung und ob ich wisse was ich tue. Natürlich weiß ich was ich tue. Nämlich ETWAS! Ich meine, es gibt so viele Arten Neues in sein Leben zu bringen – neue Schuhe, neue Taschen, einen Liebhaber – aber ich tue nichts davon. Ich entscheide mich dazu, die Revolution in meinem Leben mit einem neuen Haarschnitt zu initiieren. Also los trau dich, sag ich zu ihr und in Gedanken zu mir.

Keine zwei Stunden später trifft mich nicht nur der Schlag beim Anblick meines Spiegelbildes, das jetzt eindeutig Ähnlichkeit mit Bill Kaulitz zu seinen schrägsten Zeiten aufweist, sondern auch eine Reihe wertvoller Erkenntnisse:

1. Meine Frisörin ist eine verkappte 80’er Jahre Punk-Lady.

2. Ich werde mich nie wieder in der Arbeit blicken lassen können.

3. Ich hätte beim Liebhaber bleiben sollen, oder zumindest bei den pinken Schuhen.

Aber jetzt ist alles zu spät. Mein Spiegelbild lacht sich ins Fäustchen und denkt sich „Das hast du nun davon!“, während ich ausrechne wie lange es braucht, meine Haareslänge wieder auf bürgerlich-durchschnittlich und farblich auf langweilig-schokobraun zu bekommen. Und ich schwöre mir, nie wieder einen Fuß in den Laden zu setzen … zumindest bis ich mal wieder Lust auf was Neues habe … Also spätestens nächsten Sommer …

In diesem Sinne: Bleibt heiter und habt einen schönen Sommer!

 

                                                         Eure Eva