Local hero

Ich wohne in einem kleinen Dorf, in dem Zusammenhalt und Solidarität noch

großgeschrieben werden. Und deshalb bin ich auch die erste, die bei dem Radio-Aufruf,

die örtlichen Unternehmen zu stärken, dabei ist.

Ich zeige körperlichen Totaleinsatz, vor allem weil ich natürlich nicht will, dass die mir an

Herz und Magen gewachsenen Gastronomiebetriebe vor die Hunde gehen. Also bestelle

ich montags und freitags bei meinem Griechen, dienstags und donnerstags beim Italiener

und samstags beim Chinesen. Die Brauerei, die ich so schätze hat jetzt die 10 Liter

Fässer im Angebot, da hol ich mir gleich zwei für die nächste Grillparty. Aber oh wei, die

gibst ja erst im Sommer 2030 und so lang hält das Bier wohl nicht. Also opfere ich mich.

Einmal geöffnet, empfielt es sich das Ding binnen drei Tagen zu leeren. Ich opfere mich

auch dafür. Auch für den Weinhändler, dem ich gleich drei Kisten seines Weins abkaufe

und jetzt abendlich vor mich hin süffle.

Aber meine Unterstützung soll nicht nur der Gastronomie gelten!

Ich unterstütze alle Gassigeher, indem ich mir drei Hunde zulege, die ich alle zwei mal

täglich durch die Gegend schicke. Die Armen sind schon fix und fertig, aber was soll ich

sagen, jeder muss eben seinen Beitrag leisten.

Der Strickwarentandlerin kaufe ich eine LKW-Ladung Wolle ab. Farbe: Gift-Grün. Die hat

sie nämlich im Überfluss.

Meine Frisörin bitte ich um einen Tipp meinen nachwachsenden Haaransatz abzudecken

und ich kaufe ihr gerne fünf Packungen Haartönung ab.

Meine gesamte Familie hat jetzt die gleiche Haarfarbe, ein Geschecke aus Grau-Beige.

Macht nix, so erkennt man wenigstens schon von Weitem, dass wir zusammengehören,

da brauchen wir auch nicht mehr nachweisen, dass wir im selben Haushalt wohnen.

Übrigens werde ich morgen zur Ehrenbürgerin meines Dorfes gekührt. Vielleicht trage ich

dazu meinen neuen selbstgestrickten grünen Pulli …

Wie immer: Bleibt lusitg 😉 und auf Abstand!

Eure Eva ❤️sprung